Eisenmangel Diagnostik & Referenzwerte
– Orientierung für Ärzt:innen
Wie Eisenmangel sicher diagnostizieren?
Erhalten Sie einen Überblick zu Parametern und Referenzwerten.
Inhaltsverzeichnis
Eisenmangel & Eisenmangelanämie diagnostizieren – welche Werte sind entscheidend?
Die Diagnostik von Eisenmangel & Eisenmangelanämie scheint auf den ersten Blick relativ trivial zu sein, doch bedarf es einer genaueren Betrachtung verschiedener Parameter, Konstellationen und der gesundheitlichen Gesamtgeschichte des Patienten, um eine wirkliche Einordnung vornehmen zu können. Worauf Sie achten sollten, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten…
Was sind typische Eisenmangelsymptome?
Die Symptomatik des Eisenmangels bzw. der Eisenmangelanämie ist sehr variabel und betrifft unterschiedliche Systeme. Zu den häufigsten Symptome zählen Kopfschmerzen, Blässe, Müdigkeit und Dyspnoe.1,2
Wie wird ein Eisenmangel diagnostiziert?
Neben der Anamnese lassen sich zur Diagnosestellung eines Eisenmangels verschiedene Laborwerte für Eisen heranziehen, die in der Zusammenschau auch eine Stadieneinteilung ermöglichen. Zu den wichtigsten Parametern des Eisenstoffwechsels gehören:1
- Ferritin (Ferritinkonzentration im Serum)
- Hämoglobin (Hb-Wert)
- Mittleres korpuskuläres Volumen (MCV)
- Transferrinsättigung (TSAT)
Grundsätzlich lässt sich ein Eisenmangel in drei Stadien einteilen:4
Reduzierte Eisenspeicher, aber es steht noch genügend Eisen für die Erythropoese zur Verfügung.
Reduzierte Versorgung der erythropoetischen Vorstufen im Knochenmark, aber Hämoglobin im Normbereich.
Hämoglobinnormwert wird unterschritten.
Die Eisenmangelanämie ist eine hypochrome, mikrozytäre Anämie. Das heißt, dass die Erythrozyten typischerweise durch den geringeren Hämogloblingehalt eine größere zentrale Aufhellung aufweisen und kleiner sind als gesunde Erythrozyten.4
WICHTIG: Es gibt nicht DEN Eisenwert, der für die Diagnosestellung entscheidend ist. Erst die Betrachtung verschiedener Parameter (z.B. Ferritin, MCV, Hb, TSAT) in ihrer Konstellation und die Einordnung der Grenzwerte in Relation zur Klinik sind entscheidend.1
Für eine mögliche Einordnung der Konstallation einzelner Laborwerte und damit der Beurteilung des Eisenstoffwechsels kann folgende Darstellung hilfreich sein:
Stadium | Ferritin | MCV | TSAT | Hb |
|---|---|---|---|---|
Speichereisenmangel | Normal | Normal | Normal | |
Eisendefizitäre Erythropoese | Leicht | Normal | ||
Eisenmangelanämie |
- = erniedrigt
- Modifiziert und ergänzt nach Duncker1, Hastka4 und Gattermann5
Welche Eisen Grenzwerte sind bei der Diagnotik wichtig? Lorem
Betrachtet man die oben genannten Parameter etwas genauer, lassen sie sich wie folgt beschreiben:
Ferritin (Speichereisen)
Hämoglobin (Hb)
Mittleres korpuskuläres Volumen (MCV):
Transferrinsättigung (TSAT):
Einen Überblick über die Normwerte bzw. Normbereiche dieser Parameter bei sonst gesunden Patienten liefert folgende Tabelle:
Parameter | Ferritin⁴ | MCV⁴ | TSAT⁴ | Hb⁶ |
|---|---|---|---|---|
Normwert/-bereiche Grenzwerte | Frauen: 15-150 µg/l (0,03-0,34 nmol/l) Männer: 30-400 µg/l (0,07-0,9 nmol/l) | 80-96 fl | 16-45 % | Kinder 6-59 Monate: ≥ 11,0 g/dl (6,8 mmol/l) Kinder 5-11 Jahre: ≥ 11,5 g/dl (7,1 mmol/l) Kinder 12-14 Jahre: ≥ 12,0 g/dl (7,5 mmol/l) Frauen: ≥ 12,0 g/dl (7,5 mmol/l) Schwangere: ≥ 11,0 g/dl (6,8 mmol/l) Männer: ≥ 13,0 g/dl (8,1 mmol/l) |
WICHTIG: Die dargestellten Laborwerte für Eisen gelten für sonst gesunde Menschen. Im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen können sie z.T. stark variieren (s.u.).1
Wie unterscheiden sich Grenzwerte bei verschiedenen Entitäten?
Wie bereits erwähnt, gelten in der Konstellation mit verschiedenen Erkrankungen oder Gesundheitszuständen, die häufig mit einem Eisenmangel assoziiert sind, für bestimmte Parameter andere Grenzwerte.
Im Zusammenhang mit einer Herzinsuffizienz gilt:⁷,⁸
- Serumferritinkonzentration < 100 µg/l (0,22 nmol/l) oder
- Serumferritinkonzentration 100–299 µg/l (0,22–0,67 nmol/l) bei einer TSAT < 20 %
Im Zusammenhang mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) gilt:⁹
Abhängigkeit der diagnostischen Kriterien für Eisenmangel vom Grad der Entzündung:
- Serumferritin < 30 µg/l (0,067 nmol/l) bei Patienten ohne klinische, endoskopische oder biochemische Hinweise auf eine aktive Erkrankung
- Serumferritin bis zu 100 µg/l (0,225 nmol/l) bei Patienten mit vorliegender Entzündung immer noch mit Eisenmangel vereinbar
Im Zusammenhang mit einer chronischen, nicht dialysepflichtigen Nierenerkrankung:¹⁰
- Das Vorliegen eines absoluten Eisenmangels wird bei TSAT < 20% und Serumferritin < 100 µg/l (0,225 nmol/l) festgelegt
- Bei erwachsenen CKD-Patienten mit Anämie, die keine Eisen- oder ESA-Therapie erhalten, soll der Versuch einer Eisentherapie u. a. dann unternommen werden, wenn TSAT < 25 % und Serumferritin < 200 µg/l (0,449 nmol/l) betragen
Bei gynäkologischen und Geburtshilflichen Patientinnen:
- Der G-BA gibt einen Hb-Grenzwert für eine Anämie in der Schwangerschaft von < 10g/dl an.¹¹
- Beim Screening im ersten Trimester gilt ein Serumferritin-Wert von < 30 µg/l (0,067 nmol/l) als Grenzwert für einen Eisenmangel.¹²
Mehr zu Eisenmangel als Komorbidität finden Sie hier.
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Referenzen:
- Duncker J, et al. Eisenmangel/-anämie: auch als Komorbidität nicht zu unterschätzen. Update Europe 2024; 5: 1–15.
- Lopez A, et al. Iron deficiency anaemia. Lancet 2016;387: 907–916.
- Iron deficiency anaemia. Verfügbar: https://www.nhs.uk/conditions/iron-deficiency-anaemia/. Zuletzt aufgerufen: 08.10.2025.
- Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N. Onkopedia-Leitlinie Eisenmangel und Eisenmangelanämie. Stand April 2025
- Gattermann N, et al. Abklärung von Eisenmangel und Eisenüberladung. Dtsch Arztbl Int 2021; 118: 847–856.
- Haemoglobin concentrations for the diagnosis of anaemia and assessment of severity. Vitamin and Mineral Nutrition Information System. Geneva, World Health Organization, 2011 (WHO/NMH/NHD/MNM/11.1).
- McDonagh TA, et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal 2021 :42: 3599–3726.
- ESC Pocket Guidelines. European Society of Cardiology (ESC). Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Akute und chronische Herzinsffizienz. Version 2021.
- Dignass AU, et al. ECCO Guideline/Consensus Paper. European Consensus on the Diagnosis and Management of Iron Deficiency and Anaemia in Inflammatory Bowel Diseases. Journal of Crohn’s and Colitis 2015; 9(3): 211–222.
- Locatelli F, et al. Kidney Disease: Improving Global Outcomes guidelines on anaemia management in chronic kidney disease: a European Renal Best Practice position statement. Nephrol Dial Transplant 2013; 28: 1346–1359.
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt („Mutterschafts-Richtlinie“). Stand 19. Dezember 2023: https://www.g-ba.de/downloads/62-492-3335/Mu-RL_2023-09-28_iK-2023-12-19.pdf. Abgerufen am 13.10.2025.
- Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Diagnostik und Therapie der Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft und postpartal. Expertenbrief No 77. https://www.sggg.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/3_Fachinformationen/1_Expertenbriefe/De/77_Diagnostik_und_Therapie_der_Eisenmangelanaemie_22-11-2022.pdf. Abgerufen am 13.10.2025.